Der reformatorische Komponist Hans Leo Haßler steht im Zentrum des Konzerts des Windsbacher Knabenchors (c) Mila Pavan

Spurensuche mit Mozart und Co.

Nach Salzburg und Wien ist Augsburg zweifellos eine der wichtigsten Städte im Leben von Wolfgang Amadeus Mozart. Lassen sich die Spuren seiner Familie hier doch bis ins Jahr 1643 zurückverfolgen. Ein Erbe, das man in der Domstadt wohl zu pflegen weiß, wo das Mozartfest seit Langem Besucher aus ganz Europa anlockt. 2017 steht das renommierte Festival erstmals unter der Leitung von Simon Pickel, der es mit frischen Ideen und Respekt vor der Tradition in die Zukunft führen will.

V on der engen Beziehung Mozarts zur Fuggerstadt   legen keineswegs nur die zahlreichen nicht immer ganz jugendfreien »Bäsle-Briefe« Zeugnis ab, die der junge Wolfgang an seine Augsburger Cousine schrieb. Auch das Mozarthaus in der Frauentorstraße, wo Vater Leopold am 14. November 1719 das Licht der Welt erblickte, ist bis heute ein Pflicht­termin für jeden Musikfreund und beleuchtet keineswegs nur die fünf Besuche, die das Salzburger Wunderkind in die Geburtsstadt seines Vaters unternahm.

Auf musikalische »Spurensuche« begibt sich im Mai nun ergänzend hierzu das Augsburger Mozartfest. Denn auch die Kompositionen dieses Genies entstanden keineswegs aus dem Nichts heraus. Ausgebildet von seinem Vater studierte Mozart immer wieder die großen Vorbilder. Einer der Schwerpunkte des Festivals liegt daher neben Jubilar Claudio Monteverdi, dessen 450. Geburtstag wir im Mai 2017 feiern, unter anderem auf Georg Philipp Telemann, dessen Todestag sich zum 250. Mal jährt. Für den neuen künstlerischen Leiter Simon Pickel zwei Eckpfeiler seiner sehr persönlich gefärbten Mozart-Spurensuche. »Große Namen allein sind mir nicht genug. Ich wollte ein Programm machen, bei dem die Leute nicht nur schönen Mozart hören, sondern auch inhaltlich etwas mitnehmen können. Daher unser Motto 'Spurensuche'.« Gewinnen konnte Pickel hierfür mit Christina Pluhar unter anderem eine der prominentesten Vertreterinnen der historischen Aufführungspraxis unserer Tage, die mit den Originalklangexperten des Ensembles ­L‘Arpeggiata sowie Nuria Rial und Vincenzo Capezzuta das Auftaktkonzert am 10. Mai bestreitet. Wer hier noch keine Karten hat, kann zwar bestenfalls noch auf die Abendkasse hoffen, doch gibt es zumindest eine weitere Gelegenheit, Nuria Rial zu erleben. Schlägt die katalanische Sopranistin doch am 21. Mai gleich noch den Bogen zu Telemann, dessen dramatische Kantate Ino mit Musik von Mozart in Beziehung gesetzt wird.

Das andere bestimmende Thema, an dem man in diesem Jahr gerade in der Fuggerstadt nur schwer vorbeikommt, ist natürlich das Reformationsjubiläum. »Augsburg hat als paritätische Stadt sowohl die Entwicklungen der katholischen als auch der protestantischen Kirchenmusik erlebt. Mit Hans Leo Haßler ist ein reformatorischer Komponist aus Nürnberg nach Augsburg gekommen und hat sich hier als Organist der katholischen Fugger einen Namen gemacht. So strikt wurden die Konfessionsgrenzen in der Musik also anscheinend nicht gezogen.« Ganz in diesem Geiste steht Haßler nun auch im Zentrum des Konzerts mit dem Windsbacher Knabenchor, das Simon Pickel besonders am Herzen liegt. War der gebürtige Nürnberger in seiner Jugend doch selbst lange Mitglied des Traditionsensembles. Die Liebe zur Musik hat ihn auch nach dem Stimmbruch nicht losgelassen. Und so war vor zwei Jahren der Dienstantritt in Augsburg nach Stationen im Management des Chamber Orchestra of Europe oder in der Bundesvereinigung Deutscher Chorverbände nur eine logische Entwicklung für den 36-Jährigen.

»Das Mozartfest hat eine lange Tradition, das muss man nicht von Grund auf umkrempeln.« Trotzdem ist es für Pickel wichtig, mit der Zeit zu gehen und auch die Zuhörer von morgen abzuholen, die man mit preisgünstigen U28-Tickets locken will. »Augsburg hat ein großes Potenzial, wenn es um ein junges Kulturpublikum geht. Deshalb ist es wichtig, in Bewegung zu sein, Zugangshürden abzubauen und auch mal aus dem Kleinen Goldenen Saal herauszugehen. Nur moderne Formate oder ausgefallene Konzertorte sind aber auch nicht die Lösung, es braucht eine gesunde Mischung.« Und die umfasst beim Mozartfest neben hochkarätig besetzten Kammerkonzerten, Lied-Rezitals und Jazzabenden unter anderem auch ein Celloclubbing mit Maximilian Hornung, der sich gemeinsam mit drei Kollegen live von einem DJ remixen lässt. Nicht zu vergessen ebenso die Mozart-Picnics. Dort steht unter anderem der britische Starcellist Steven Isserlis in entspannter Atmosphäre Rede und Antwort, ehe er beim großen Abschlusskonzert mit den Augsburger Philharmonikern unter Domonkos Héja wieder selbst zum Bogen greift und die musikalische Spurensuche mit einem Komponisten beendet, der aus seiner Verehrung für Mozart nie ein Geheimnis gemacht hat, Richard Strauss.

Tobias Hell   

 

Mozartfest 2017. Spurensuche – Tracking Mozart.
19.-28. Mai, Augsburg.
Infos: mozartstadt.de

Spektrum

Café del Mundo plays Manuel de Falla (c) Mike Meyer

Café del Mundo 

Flamenco goes Classic 
Weiterlesen ...

Kinder

Double Drums (c) Lars Ternes

Strings 'N' Drums 

Hier wird geschnipst, gewippt, geklatscht und getrampelt...
Weiterlesen ...

Klassik

»Flötenkönigin« Dorothee Oberlinger (c) Henning Ross

Die Flötenkönigin

Dorothee Oberlinger verrät, was die Faszination und das Geheimnis der Flöte ausmacht.
Weiterlesen ...

Film

Conor (Lewis MacDougall) vor dem Monster (gesprochen von Liam Neeson) (c) Studiocanal

Sieben Minuten nach Mitternacht

Die heilende Kraft der Fantasie...
Weiterlesen ...

Theater

Zwei tragische Figuren: Halvard Solness (r.) und seine Frau Aline (c) Arno Declair

Porträt eines Egomanen

Mit geschickten Textaktualisierungen holt Christian Stückl Henrik Ibsens »Baumeister Solness« in die Gegenwart. 

 

Weiterlesen ...

Tanz

 Khaled Chaabi und Yui Kawaguchi (c) Hong Thai

Ein Komponist für die Jungen

Die Urban Dance-Show »Beethoven! The Next Level« nimmt Kurs auf München.
Weiterlesen ...

Jazz etc.

Konstantin Wecker (c) Thomas Karsten

Facettenreicher Fürst der Liedermacher

Konstantin Wecker feiert seinen runden Geburtstag mit vier Konzerten im Circus Krone und einer Doppel-CD. Ob der Liedermacher mit 70 Jahren nun ein »verbitterter Alter« oder ein »heiliger Narr« ist, erfuhr Oliver Hochkeppel...

 

 

Weiterlesen ...

Vorschau

Auf der Erfolgswelle: das Herbert Pixner Projekt (c) sinnesbichler.de

Festival

Am 21. Juni eröffnet das »Tollwood Sommerfestival« im Olympiapark Süd.
Weiterlesen ...

Gastro

Im Londoner Regent's Park wird seit 2004 dem guten Geschmack gefrönt (c) Veranstalter

Taste of München

Münchens 1. Taste Festival feiert sein Debüt im Englischen Garten.
Weiterlesen ...

Literatur

Buchcover (c) Milena Langejürgen

Tödliche Juwelen

Sabine Vöhringer
Weiterlesen ...

Kunst

Hans Purrmann, Selbstbildnis, 1961, Privatbesitz Süddeutschland © VG Bild-Kunst, Bonn 2017

Fürst der Farben

Im Bernrieder Buchheim Museum ist eine bemerkenswerte Ausstellung zu sehen. 
Weiterlesen ...

Aktuelles

Zum Seitenanfang