Hans Purrmann, Selbstbildnis, 1961, Privatbesitz Süddeutschland © VG Bild-Kunst, Bonn 2017

Fürst der Farben

Im Bernrieder Buchheim Museum ist eine bemerkenswerte Ausstellung zu sehen. 

In dieser werden Werke des Malers Hans Purrmann (1880-1966) Arbeiten der expressionistischen Meister vor allem der Künstlervereinigung Die Brücke gegenübergestellt, sodass sich aufschlussreiche Vergleiche ergeben.

Während in der französischen Malerei des 19. Jahrhunderts die Farbe zur Vorherrschaft gelangt, überwiegt in der deutschen Malerei durchaus die Zeichnung. Damit ist auch die Vorherrschaft des Bildthemas verbunden. Aber es gibt in Deutschland Ausnahmen: Künstler, in deren Werk die Farbe die wichtigste Rolle spielt. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts sind hier August Macke und Hans Purrmann zu nennen. Während die Entwicklung der Farbe bei August Macke durch seinen Tod im Ersten Weltkrieg brutal beendet wurde, konnte Hans Purrmann seinen Farbsinn über ein langes Leben sich verändern und entwickeln lassen. Zwar wurde auch sein Lebensgang zweimal gewaltsam auf andere Wege gezwungen, doch auf die langsame und kontinuierliche Entfaltung seiner Malerei, seines Farb- und Gestaltungskonzepts hatten diese Umwälzungen durch den Ersten Weltkrieg, als er aus Frankreich ausgewiesen wurde, und die Herrschaft der Nationalsozialisten, die ihn als »entartet« brandmarkten, erstaunlich geringe Auswirkungen. Purrmanns Malkunst entwickelte sich nach dem prägenden Anstoß durch die Begegnung mit Henri Matisse vor allem aus sich selbst heraus. Im kurzen Jahrhundert der Extreme stellt das allein bereits eine besondere Leistung dar. Die umfangreiche Ausstellung im Buchheim Museum zeigt Gemälde und Papierarbeiten von Hans Purrmann aus allen Schaffensphasen. Sie ist nach den Sujets Landschaft, Stillleben und Akt gegliedert. Das Besondere von Purrmanns Œuvre arbeiten die beiden Kuratoren der Ausstellung, Daniel J. Schreiber, Direktor des Buchheim Museums, und Felix Billeter, Leiter des Hans Purrmann Archivs, nicht nur aus der inneren Entwicklung des Malers heraus, sondern auch durch die Kontrastierungen mit den Werken der zeitgenössischen Expressionisten. Die Ausstellung Purrmann und der Expressionismus umfasst insgesamt 124 Arbeiten, davon 94 Gemälde, zwei Aquarelle und 28 Grafiken. 

Sujets und Gedächtnis

Die Kontrastierung von Purrmanns Malerei mit derjenigen expressionistischer Künstler ist insofern gewagt, als Purrmann mit Ausnahme von Ernst Ludwig Kirchner und Ernst Heckel von seinen Kollegen des Blauen Reiter und der Brücke eher wenig hielt, auch wenn Purrmann und die Expressionisten ein gleiches Fernziel – die Ausdruckssteigerung von Dingen, Geschehnissen und Personen durch malerische Mittel – anstrebten. Die Wege und Mittel zur Erreichung dieses künstlerischen Ziels waren aber dann sehr unterschiedlich. Für Purrmann standen die Farben und ihre Eigenwerte im Mittelpunkt. Aus ihnen und mit ihnen gestaltete er seine Kompositionen. Das Neben- wie Miteinander von Farben erzeugt Stimmungen, nicht umgekehrt wie bei den Expressionisten, die er in Verdacht hatte, eher Stimmungen und Haltungen zu bebildern. Sujets, die ihre Bedeutung von außerhalb der Farben erhielten, wie das Historienbild und das Porträt, interessierten Hans Purrmann, der 1880 in Speyer geboren wurde, nicht oder nur im Auftragsfall. Die Landschaft und das Interieur sowie sein Spezialgebiet – das Stillleben – waren seine bevorzugten Bildthemen. Der Begriff der Landschaft ist dabei zu präzisieren auf die vom menschlichen Tun durchwirkte Landschaft, also das, was wir als Kulturlandschaft bezeichnen. Nach seinem Studium in München bei Franz von Stuck zog es Purrmann nach Paris, wo er sich mit Matisse anfreundete. Später arbeitete er in Berlin, in Langenargen am Bodensee, in Florenz, auf der Insel Ischia und nach dem Zweiten Weltkrieg im Tessin. Ein anderes Sujet, in dem Purrmann Wesentliches leistete, ist der Akt. Im Unterschied zu den Expressionisten, bei denen zumeist das persönliche Verhältnis zum Modell Pinsel und Stift leitete, interessierte sich Purrmann für das Problem der Darstellung der menschlichen Figur im Raum. Wie verhalten sich die Naturform und die Farben des Inkarnats zu den Kulturformen? Das Schrille, Harte und oft auch Gewaltsame des expressionistischen Zeitgeists lehnte Purrmann ab. Stattdessen strebte er die Harmonie der unterschiedlichen Farbstimmungen und den Zusammenklang der verschiedenen Farbnuancen an. In Purrmanns Geburtsstadt Speyer und in München als Sitz des Hans Purrmann Archivs wird des Künstlers in besonderem Umfang gedacht. So wurde in diesem Jahr zum dritten Mal der Große Hans-Purrmann-Preis verliehen, ausgelobt von der nach dem Künstler benannten Stiftung. Preisträgerin 2017 ist die Kölner Künstlerin Sabrina Fritsch. Seit 1965 vergibt die Stadt Speyer den Hans-Purrmann-Förderpreis. Im Jahr 2017 erhielten die Berliner Künstlerin Catherine Biocca und Steffen Kern aus München diese Auszeichnung. Im November 2016 ist die jüngste Monografie mit dem Titel Neue Wege zu Hans Purrmann erschienen. Die Realisierung der Ausstellung in Bernried wäre ohne die tatkräftige Unterstützung durch die Familie Purrmann nicht möglich gewesen. Auch Museumsgründer Lothar-Günther Buchheim hatte eine besondere Beziehung zum Werk Hans Purrmanns. Als einen seiner letzten Kunstankäufe erwarb er im Jahr 1999 Purrmanns Bild Garten am Bodensee.

 

­­Rüdiger Heise


Purrmann und der Expressionismus. 

Bis 9. Juli, Di-So sowie an Feiertagen 10-18 Uhr, Am Hirschgarten 1, 82374 Bernried am Starnberger See.

Informationen: Tel. (0 81 58) 9 97 00

 

Rahmenprogramm im Mai:

Familiäres und Fachliches II.

7. Mai, 15.30 Uhr

Führung durch die Ausstellung mit Regina Hesselberger-Purrmann, Enkelin des Malers, und Daniel J. Schreiber, Direktor des Buchheim Museums.

 

Farbmagie & Kunsttheorie.

14. Mai, 15.30 Uhr

Christoph Wagner, Professor für Kunstgeschichte an der Universität Regensburg, und Felix Billeter, Leiter des Hans Purrmann Archivs, erläutern an ausgewählten Bildern der Ausstellung Hans Purrmanns Farbvorstellungen.

 

Wie man wird, was man ist.

21. Mai, 15.30 Uhr

 

Felix Billeter, Leiter des Hans Purrmann Archivs, und die Münchner Kunstvermittlerin Angelika Grepmair-Müller verbinden die Ausstellung mit der Biografie Purrmanns.

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