Thomas Struth, »Crosby Street«, Soho, New York 1978 (c) Thomas Struth

Queen’s Photographer  

Thomas Struth, einem der weltbekannt gewordenen Fotokünstler aus der Düsseldorfer Becher-Schule, widmet das Haus der Kunst eine breit angelegte Retrospektive.

Man kann der Meinung sein, dass es so langsam reicht mit der Becher-Schule und ihren allzu geschäftstüchtigen Schülern. Andreas Gursky ärgert uns mit Riesendrucken von Aufmärschen und Sakralisierungen von Formel-1-Rennen. Thomas Struth langweilt uns in Audience mit Touristen in geschmacksbefreiter Freizeitkleidung, die um Michelangelos David herumwuseln und ratlos in die Höhe schauen. Immerhin ist das Objekt der Begierde selbst konsequent aus den Bildern verbannt. Auch in dieser Ausstellung führt kein Weg an den Museum Photographs vorbei, doch Kurator Thomas Weski hat sie wenigstens in hinteren Seiten­kabinetten versteckt. Auch sonst hat er einiges bei der Ausstellungsarchitektur unternommen, um gar nicht erst den Eindruck zu erwecken, hier würde mit Pathosformeln von fragwürdiger Monumentalität und Erhabenheit gearbeitet. Die Blickachse des Mittelsaals hat er mit Stellwandeinbauten verstellt, an denen das Archiv des Künstlers ausgebreitet wird. Und dieses hat es in sich. Es zeigt Struths weitgehend unbekannt gebliebene malerische Anfänge, seine Vorliebe für konzeptuelles Denken sowie seinen interdisziplinären Ansatz, viele Jahre bevor Interdisziplinarität zum intellektuellen Modewort verkam. Den Eingangsraum zur Retrospektive kann man auch als Teil des Archivs betrachten. Diese unspektakulären, aber formal strengen Straßenansichten vom Ende der 70er-Jahre ruhen ganz in sich selbst. 

Rüdiger Heise

 

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Thomas Struth – Figure Ground. 

Bis 17. September, Mo-So 10-20 Uhr, Do 10-22 Uhr, Haus der Kunst, Prinzregentenstr. 1.

Informationen: Tel. (089) 21 12 71 13

16. Juni, 18 Uhr: Künstlergespräch zwischen Thomas Struth und Kulturwissenschaftler Andreas Huyssen.

 

 

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