Arthur Langhammer, »Nausikaa«, um 1890 (c) Münchener Secession

125 Jahre Aktivität 

Die Münchener Secession feiert in diesem Jahr ihr 125-jähriges Bestehen mit vier Ausstellungen in Dachau und München. 

 

Zwei Themenbereiche stehen dabei im Mittelpunkt des Interesses: die eigene Sammlung dieser Künstlervereinigung sowie der Einblick in die gegenwärtige Arbeit ihrer heute aktiven Mitglieder

Die Prinzregentenzeit (1886-1912) dient dem Münchner Selbstverständnis bis heute als Sehnsuchtsbild. Mit ihr verbindet sich der industri­elle Aufbruch der Stadt in die Moderne, die Etablie­­rung einer Münchner Moderne in den Künsten, wobei Malerei und Literatur vorangingen, und nicht zuletzt die Vergrößerung der Stadt selbst. In den ersten Jahren der Regierungszeit von Prinzregent Luitpold rumorte es vor allem in der Malerei. Junge, ehrgeizige Maler lehnten sich gegen das Malerfürstentum Franz von Lenbachs und die Herrschaft der Allotria – also der Maler der Vorgeneration – auf. Eine Spaltung wollte keiner verhindern. Und so hatte München im April 1892 seine, heute würde man sagen Publicity-trächtige, Secession. Der andere Malerfürst aus München – Franz von Stuck – war übrigens auf der Seite der Revoluzzer. Worum ging es dem »Verein Bildender Künstler Münchens. Münchener Secession« in der Sache? Vor allem aus Frankreich weht in der Malerei ein neuer Wind. Die Maler ziehen in die freie Natur, malen dort und nicht mehr im Atelier. Sie verlieren die Lust am bisherigen Thema Nummer eins, dem Historienbild. Sie entdecken die Landschaft und das Leben der einfachen Leute. So etwas wollten auch die jungen Maler in Deutschland. Nach dem Vorbild von Barbizon, einem Dorf südlich von Paris, gründeten sie Künstlerkolonien, in denen sich die Gleichgesinnten versammelten. Bekanntermaßen geschah solches auch im Dachauer Land nordwestlich von München. Es wundert daher nicht, dass fast die Hälfte der Münchner Secessio­nisten rund um Dachau tätig waren, um hier die frische Landluft zu atmen und die Atmosphäre in ihre Bilder eingehen zu lassen. 

Zwei Besonderheiten

Künstlervereinigungen sind zumeist recht kurzlebige Gruppenbildungen, die an neuen Zielen oder erneuten Spaltungen zerbrechen. Die Münchener Secession bildet hier eine Ausnahme, kann sie doch in diesem Jahr ihr 125-jähriges Bestehen feiern. Das Jubiläum wird mit einem Ausstellungsprogramm in Dachau und München begangen, das aus vier Ausstellungen an vier verschiedenen Orten sowie einem Katalog besteht, der anlässlich dieses Geburtstags produziert worden ist. Die Münchener Secession besteht heute aus 65 Künstlerinnen und Künstlern als aktive Mitglieder, die ganz unterschiedliche künst­lerische Positionen vertreten. Für die Aktivitäten im Jubiläumsjahr ist noch eine andere Besonderheit von entscheidender Bedeutung. Wie kaum eine andere Künstlervereinigung verfügt die Münchener Sece­s­sion über eine eigene Kunstsammlung mit Werken ihrer Mitglieder von den Anfängen im 19. Jahrhundert bis heute. Aus diesem Sammlungsbestand zeigt die Gemäldegalerie Dachau rund 40 Werke. Es überwiegt die Malerei, aber auch einige Skulpturen sind in der Ausstellung auf dem Dachauer Altstadtberg zu betrachten. Die Präsentation gibt vor allem einen Einblick in die Aktivitäten der Mitglieder in den ersten beiden Jahrzehnten des Bestehens. Hugo von Habermann, Franz von Stuck, Julius Seyler und Wilhelm Trübner sind vertreten. Die Sammlung verfügt über ein Werk Gabriele Münters, obwohl sie kein Mitglied der Secession gewesen ist. Dachauer Maler sind zahlreich vertreten. Es seien die Namen von Adolf Hölzel, Ludwig Dill, Arthur Langhammer, Hans von Hayek, Leo Putz, Rudolf Schramm-Zittau und Fritz von Uhde genannt. Einige sehr prominente Werke aus der Sammlung der Münchener Secession, darunter Fritz von Uhdes Engel im Atelier, Lovis Corinths Porträt Der Pianist Conrad Ansorge sowie Albert Weisgerbers Sommertag sind als Leihgaben im Lenbachhaus im Rahmen der Ausstellung Bildschön – Ansichten des 19. Jahrhunderts zu sehen.

Gegenwartskunst

Den heute aktiven Mitgliedern der Münchener Secession sind drei Ausstellungen gewidmet. In der Neuen Galerie Dachau nehmen sechs Künstlerinnen und Künstler – Christoph Drexler, Konrad Loder, Andreas Legath, Hartmut Pfeuffer, Dorothea Reese-Heim und Timm Ulrichs – das Verhältnis von Natur und Kunst in den Blick. Die Befassung mit der Natur, das Arbeiten in ihr spielt seit Beginn in der Secession eine bedeutende Rolle. Mehr als 100 Jahre später haben die Arbeiten mit Naturmaterialien sowie die Auseinandersetzung mit Naturformen an Bedeutung gewonnen. Im Herzen Münchens, in der Rathausgalerie am Marienplatz, stellen ab Anfang Juli acht Secessions-Mitglieder ihre Werke zur Diskussion. Mit dabei sind: Ludwig Arnold, Hermann Bigelmayr, Doris Hadersdorfer, Doris Hahlweg, Theresia Hefele, Carolina Camilla Kreusch, das King Kong Kunstkabinett und Eva Schöffel. In den Räumen des Vereins für Original-Radierung am Odeonsplatz, der sogar noch ein Jahr älter ist als die Münchener Secession, haben Doris Hadersdorfer und Carolina Camilla Kreusch eine Ausstellung kuratiert, in der Secessions-Mitglieder eine Auswahl ihrer gra­fischen Arbeiten zeigen. Im Angesicht dieser Aktivitäten stellt sich kaum die Frage nach einer erneuten Secession; denn die Münchener Secession ist in ihrer Plastizität und Transformationskraft zu einer solchen in Permanenz geworden.

Rüdiger Heise

 


Zu Gast in Dachau. 125 Jahre Münchener Secession. 

Bis 3. September, Di-Fr 11-17 Uhr, Sa-So und feiertags 13-17 Uhr, Gemäldegalerie Dachau,

Konrad-Adenauer-Str. 3, 85221 Dachau.

 

Natur // Kultur. Positionen der Münchener Secession aus Skulptur und Malerei.

Bis 16. Juli, Di-Fr 13-17 Uhr, Neue Galerie Dachau, Konrad-Adenauer-Str. 20, 85221 Dachau. Informationen: Tel. (08131) 5 67 50.

Kombiführung durch beide Ausstellungen am 25. Juni, 14 bis 15.30 Uhr, für 5 € zzgl. Eintritt.

 

... alles außer Landschaft.

9. bis 30. Juni, Di-Fr 15-18.30 Uhr, Eröffnung Do, 8. Juni, 19 Uhr, Verein für Original-Radierung München, Ludwigstr 7/ Rückgebäude. Informationen: Tel. (089) 28 08 84.

 

Secession jetzt – acht künstlerische Positionen. 1. Juli bis 10. September, Di-So 11-19 Uhr, Eröffnung am Fr, 30. Juni, 19 Uhr, Rathausgalerie – Kunsthalle, Marienplatz 8.

Informationen: Tel. (089) 23 32 84 08. Der Eintritt in die Rathausgalerie ist frei.

 

 

Zu den Ausstellungen des Secessions-Jubiläums 2017 ist ein Katalog im Eigenverlag erschienen, der 128 Seiten mit zahlreichen farbigen Abbildungen umfasst und zum Preis von 20 € bei den beteiligten Museen erhältlich ist.

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