Maged Mohameds Inszenierung des »Winters« aus Vivaldis »Vier Jahreszeiten« für die Ungarische Tanz-Akademie (c) Csaba Mészáros

»Der kleine Prinz« real gelandet

Das erste abendfüllende Stück von Maged Mohamed: Tanztheater über das verlorene kindliche Denken

Maged Mohamed choreografierte 2015 für die Gala der armenischen Gruppe Forceful ­Feelings mit Glory of Earth ein Solo, in dem das Gefühl der Armenier für ihren Grenzfluss zur Türkei mystisch spürbar wurde. Tigran Mikayelyan, für den er dieses Solo schuf, beschrieb seine Arbeitsweise wie folgt: »Er choreografiert ehrlich und natürlich reale Abläufe, greift individuelle Qualitäten seiner Tänzer auf, aber nicht eins zu eins, sondern um sie für den von ihm beabsichtigten Ausdruck zu nutzen. Seine offene und respektvolle Art setzt bei allen Kreativität frei. Dazu kommt immer noch ein überraschendes Extra in seiner Bewegungssprache.« Darauf angesprochen, reagiert Maged Mohamed verlegen und erfreut. »Ich habe mich mit Tigran sehr gut verstanden, denn wir kommen beide aus Ländern, in denen es viel schwieriger als hier ist, seine Träume zu verwirklichen«, so der Ägypter.  »Wir mussten beide darum kämpfen. Ich hatte bereits als Kind diese Kreativität. Meine Mutter erzählte, dass ich schon mit sechs Jahren jeden Tag eine Vorstellung gegeben habe. Theaterspielen war von klein auf mein Traum. Dann hat mir das Ballett viel geholfen. In Kairo bildete man uns nach der russischen Methode aus. So habe ich harte Disziplin gelernt, auch fürs Leben.« 

Eine frühe Auszeichnung für Maged Mohamed war sein Studienhalbjahr in Italien. Zurück in Kairo wurde er mit 16 Jahren Mitglied und ein Jahr später Solist des dortigen Balletts. Man glaubt Maged Mohamed, wenn er sagt: »Wenn man wirklich Qualität erreichen will, muss man viel arbeiten. Mit Liebe, ja, aber dabei ist dein ganzer Einsatz nötig.« Im Jahr 2000 trat er in Meiningen sein erstes Engagement in Deutschland an. Nach fünf Jahren an der Dresdner Semperoper und zwei weiteren in Coburg kam er zum Bayerischen Staatsballett. Hier sammelte er als Gruppentänzer von 2008 bis 2015 in vielen Stilrichtungen Erfahrung und erlebte bedeutende Choreografen. Nach fast 20-jähriger Karriere als Tänzer hielt er sich mit eigenen Stücken aber immer noch zurück, bis er sich sagte, dass ihn jetzt nur die Praxis im Schaffen eigener Stücke weiterbringen werde. »Als ich mich endlich traute, wurden meine Arbeiten wie von selbst größer, und jede zog neue Möglichkeiten nach sich.« Darunter war A Swan für eine Ballettschule, die den ersten Preis für die beste Tanzgruppe erhielt. Mit Paradise, das vor dem Hintergrund seiner arabischen Heimat zu orientalischen Klängen von der Liebessehnsucht einer weiß gekleideten Braut erzählt, lud ihn die Stuttgarter ­Nouverre-Gesellschaft 2015 ins deutsche Ballett-Mekka ein. Das Stück war 2016 auch im Veranstaltungsforum Fürstenfeld Teil des »Bavarian Summit«. Sein Kurzfilm 7 years ­before verrät Maged Mohameds Vorliebe dafür, wie Tanz aus realen Schauspielszenen hervorgeht. Diese Verbindung realisierte er in der Unicredit-Festspielnacht 2016 auch mit Judith Turos und Stefan Hunstein.

Jetzt erarbeitet er auf Anregung der Violinistin ­Susanne Gagerle zur Musik von Darius Milhaud und ­Erik Satie eine Tanztheater-Adaption von Antoine de Saint-Exupérys Der kleine Prinz. Daran interessiert ihn besonders die Kindheit, die der Dichter der Welt der Erwachsenen entgegenhält. »Wenn ich in der U-Bahn fahre und die Leute um mich herum sehe, wie sie von Geldgier und gesellschaftlichem Druck bedrängt sind, denke ich, dass sie ihre Kindheit vergessen haben. Solche Menschen gibt es auch im Buch. Und dann lasse ich halbabstrakt einen Traum beginnen, wie alles besser wäre.« Dazu richtet Maged Mohamed eine Bushaltestelle mitten in der Wüste ein, im Sand. In diesem Bühnenbild begegnen sich Pilot und Prinz, von einem jungen Schauspieler und einem Kind verkörpert, und es gibt ein Wiedersehen mit seinen früheren Kollegen: Ekaterina Petina ist die Rose, Katherina Markowskaya die Schlange, Nikita Korotkov der Fuchs, Ilia Sarkisov der Laternenanzünder, Maxim Chashchegorov der Eitle, Peter Jolesch der König und der Weichensteller. »Sie sind alle charismatische Solisten«, schwärmt Maged Mohamed. »Für die Zuschauer wünsche ich mir, dass sie das Kind in sich entdecken und aus dem Theater hinaus direkt auf einen Spielplatz gehen.«

Karl-Peter Fürst 


Der kleine Prinz.

Tanztheater von Maged Mohamed für Zuschauer ab 10 Jahren.

Premiere am 23. März, 18 Uhr, Rennert-Saal.

Weitere Vorstellungen: 24. März, 11 und 18 Uhr, 25. März, 11 und 15 Uhr, 26. März, 15 Uhr, 27. März,11 und 18 Uhr, 29. März, 18 Uhr.

Karten: Tel. (089) 21 85 19 20 und staatsballett.de.

 

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