Khaled Chaabi und Yui Kawaguchi (c) Hong Thai

Ein Komponist für die Jungen

Die Urban Dance-Show »Beethoven! The Next Level« nimmt Kurs auf München.

 

Beethoven! The Next Level war auf seiner ­Debüt-Tournee im Mai und Juni 2016 sehr erfolgreich. Der Vater dieses Erfolgs, als Operndirigent, Regisseur und Pianist auch Erfinder neuer Kulturformate des Crossover, ist Christoph Hagel. Er nannte sein Stück eine Urban Dance-Show – einer Mischung aus Breakdance, Hip-Hop, Capoeira und allem Möglichen aus der künstlerischen Welt, aber kein gängiges Tanztheater. Streetdance halte er für das treffendste Etikett dafür, und seine Idee sei es gewesen, die Kraft und Energie des Streetdance mit Beethoven zu kombinieren. Der unter anderem bei Leonard Bernstein und Sergiu Celibidache ausgebildete Musiker wurde Ende der 1990er-Jahre berühmt, als er Mozarts Don Giovanni im Berliner Technoschuppen E-Werk zur Aufführung brachte. Später ließ er für Bachs ­Johannes-Passion fünf Tonnen Erde in den Berliner Dom schütten und nutzte als Bühne für Die Zauberflöte die U-Bahn-Station Bundestag. Seit 2010 arbeitet Christoph Hagen mit Gruppen und Genres des Urban Dance zusammen. So entstanden neuartige Verbindungen von Klassik und Breakdance, die international erfolgreich wurden und seither auch viele jüngere Zuschauer für Klassik begeistern. Darunter waren Red Bull Flying Bach, wofür Hagel 2010 den ECHO Klassik Sonderpreis erhielt, Breakin' Mozart und Fuck You Wagner!.

In einem Interview für BR-Klassik im Vorfeld der Premiere von Beethoven! The Next Level sagte Christoph Hagel: »Beethoven ist ein Komponist für die Jungen – wegen seiner unglaublichen Energie, die bei ihnen ›Power‹ heißt. Er ist es auch, weil er von einer besseren Welt geträumt hat. Denn er war lange Zeit glühender Anhänger der Französischen Revolution und versuchte, diese Idee in seine Musik zu bringen. Dies alles findet man im Aufbegehren des Streetdance wieder. Da sehe ich eine Verwandtschaft der Energie und der Vision.« Dass die Stilrichtungen seiner Show mit Urban Dance, Akrobatik, Modern Dance und klassischem Ballett fast alles umfassen, was Tanz hergibt, hängt für ihn mit den Personen zusammen, die mittanzen. »Wir haben als Beethoven Khaled Chaabi, einen deutsch-­syrischen Tänzer. Ich hatte schon lange die Idee, dass dieser junge, wilde Tänzer Beethoven verkörpern soll. Auf der anderen Seite steht die zeitgenössische japanische Tänzerin Yui Kawaguchi für Beethovens unerfüllte Sehnsucht nach der großen Liebe. Zudem bringt sie ein asiatisches Element hinein, weil große Ruhe, Frieden und Zartheit auch eine Seite Beethovens ist, der Gegenpol zu seiner finsteren, männlichen Seite. Überhaupt hat jeder Tänzer etwas eingebracht. Wir haben zwei brasilianische Power-Mover mit einem Capoeira-Stück, und wir haben Hip-Hop-Tänzer. Es ist nicht für jeden etwas, sondern eine Mischung, in der sich alles miteinander verbindet.«

Khaled Chaabi als künstlerischer Leiter, Choreograf und Tänzer verkörpert Ludwig van Beethoven mit »einer großen Wut, als würde er sich mit der ganzen Welt anlegen«, schrieb die Berliner Morgenpost. Die japanische Tänzerin und Dramaturgin Yui Kawaguchi verbindet die Welt des Breakdance mit der des klassischen Tanzes. Von Christoph Hagel live am Flügel interpretierte Werke Beethovens, von der Apassionata bis zu den wohl bekanntesten Sinfonien, der Siebten und der Neunten, sollen in Verbindung mit neu komponierten Beats eine ganz eigene Magie entfalten und mit einer modernen Version von Freude schöner Götterfunken in einem spektakulären Finale gipfeln.

Karl-Peter Fürst


DEAG Classics AG unter der künstlerischen Leitung von Christoph Hagel und Khaled Chaabi.

24. Oktober, 20 Uhr, Circus Krone.

Karten: Tel. 01806-57 00 70

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